Die Kartographie des Himmels  (8/2018)

 

 


Von dem befreundeten Journalisten Oliver Abraham erhielt ich mal wieder eine Festplatte mit  Bildern. Es ist jedes mal eine Freude, die vielen tausend Bilder nach möglichen Hintergründen durchzusehen. Mich faszinierten gleich die winterlichen Berglandschaften, die eine so magische Ruhe ausstrahlen. Ich sah mir lange das Bild der verschneiten Schweizer Berge an und wartete auf eine Bildidee. Vergebens. Aus meiner Ratlosigkeit heraus drehte ich das Foto und war verblüfft. Die auf dem Kopf stehenden Berge schienen jetzt am richtigen Ort zu sein. Sie wirkten irritierend, aber doch auf merkwürdige Weise glaubhaft. Die karge Winterlandschaft von Yorkshire gab einen spannenden Kontrast. Wieder sah ich mir das Bild lange an. Ich suchte etwas sehr zartes, poetisches um die beiden kraftvollen Landschaften nicht zu überladen.

 

 


Wenige Tage zuvor war ich im Deutschen Museum in München gewesen, um Fotos für mein Archiv zu machen. Dort fand ich eine aufgefächerte "Fühlerlehre" zum Messen von Spalten von 1955. Eine einfache Konstruktion, die eine sonderbare Schönheit besitzt. Direkt daneben fotografierte ich im Museum eine "Laufgewichtsbalkenwaage" aus dem Jahr 1800. Sie bildet den unteren Teil des Fluggerätes auf meinem Bild. Baum, Mensch und Zaun geben dem technischen Gebilde eine menschliche Dimension und machen es kostbar und zerbrechlich.