Alles war Kraft  (3/2018)

 

 


Mit meinem Sohn (3 Jahre) gehe ich regelmäßig zum "Minichor". Dort gibt es eine Sammlung bunter Kinderkreisel. Die schönsten Holzkreisel habe ich fotografiert. Kurz darauf besuchte ich das Deutsche Landwirtschafts-Museum in Stuttgart-Hohenheim, um mein Archiv mit technischen Geräten und skurrilen Formen zu erweitern. Dort gibt es im Außenbereich ein wunderbares Sammelsurium vor sich hinrostender Geräte. Sehr schnell kam mir die Idee, diese groben Ackerwerkzeuge mit ihren heftigen Gebrauchsspuren mit den zarten "Lustobjekten" aus der Kreiselsammlung zu kombinieren. Das war der Ausgangspunkt für diese Collage.

 

Das Ausschneiden der Geräte mit Photoshop war sehr zeitaufwändig. Und lange schob ich eher missmutig die Formen hin und her. Es sah immer zu sehr nach Chaos und Beliebigkeit aus. Wie so oft kam irgendwann der Umkehrpunkt. Eine Grundstruktur, eine Grundidee war entstanden und mit ihr so etwas wie die Vision von der Wesenhaftigkeit der fertigen Collage. Von diesem Punkt aus macht sich eine Collage bei mir wie von selbst.


Türen, Fenster und ein verschnörkeltes Geländer beseelen das merkwürdige Gebilde. Ein bischen wird es so zum Subjekt.

Erst als das Fluggerät fertig war, begann ich nach einer passenden Landschaft zu suchen. Auch das erwies sich als schwierig. Bei fast allen Hintergründen wirkte die spezielle Anmutung des Objekts künstlich und deplatziert. Erst die Schneelandschaft im verschneiten Nationalpark Darss konnte die notwendige Ruhe und Klarheit bieten.

 

"Alles war Kraft" ist eine Spielerei mit Formen. Aber auch (mal wieder) ein Versuch, zwei Lebensbereiche miteinander zu versöhnen: Auf der einen Seite das Aneignen der Natur, Überleben, Effizienz, Leistung. Auf der anderen Seite die zweckfreie Hingabe an die Bedürfnisse der Seele (Kreisel). Wenn beides zusammenkommt ist Kraft da.